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Ich bin skeptisch gegenüber allen Heilsverkündigungen, habe Mühe mit zu viel Nähe bei mir fremden Menschen, kurz: stehe mit beiden Beinen fest auf dem Boden– und jetzt das. Da liege ich in den Armen eines mir bis anhin fremden Therapeuten, spüre seinen Atem auf meinem Gesicht und lasse mich friedfertig und losgelöst von aller Skepsis im 35 Grad warmen Wasserziehen, dehnen, drücken und verrenken. Die Ohren sind unter Wasser. Ich höre das sanfte Bewegen des Wassers und wünsche mir nur eines: Es soll nie enden! Watsu wurde vor 20 Jahren von Harold Dull in Kalifornien entwickelt. Die Therapieform basiert auf Zen-Shiatsu, einer japanischen Heilmethode. Die tiefe Entspannung kann Energiestaus, Stress, Ängste und Blockaden spielerisch auflösen. Es können sanfte Dehnungen, Streckungen und Gelenkmobilisationen durchgeführt werden, die an Land in dieser Qualität nicht machbar sind. «Die Therapieform eignet sich für sehr viele körperliche und psychische Be-schwerden», erklärt Paul Müller, Watsu-Therapeut aus Stein AG
Bei den körperlichen Symptomen stehen vor allem
Verspannungen, Rücken- und Nackenschmerzen und die eingeschränkte
Beweglichkeit im Vordergrund. Selbstverständlich ersetzt Watsu bei körperlichen Beschwerden nicht den Arzt, kann aber gut ergänzend eingesetzt werden.
Bei starken Persönlichkeitsveränderungen muss mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden,
was sinnvoll wäre. «Für ein Borderline-Syndrom zum Beispiel ist Watsu
ungeeignet», erklärt der Therapeut. «Auf psychischer Ebene ist die Wasserarbeit
sicher hilfreich bei der Selbstfindung, auch das Thema Nähe und Distanz kann dabei gut aufgearbeitet werden», fügt er
hinzu. Sehr gute Erfolge erzielt Paul Müller bei Asthmakranken und
Schleudertrauma-Geschädigten. «Bei Asthma-Patienten wird es über die Entspannung möglich, dass
sich die Atmung verändert. Der Rhythmus wird besser, das Atemvolumen voller und die Ausatmung
funktioniert wieder besser», erklärt er. Beim Schleudertrauma wirken die
sanften Impulse und die Tiefenentspannung unterstützend. In der
Gelenkmobilisation kommt die Spiraldynamik zum Zug, was auch Verspannungen
lösen kann. Heilsversprechungen gibt Paul Müller nicht, die Erfahrungen zeigen jedoch, dass sich Watsu oft positiv auf
Beschwerden auswirkt. Vor der ersten Watsu-Stunde wird eine genaue Anamnese
über Problemzonen, Beschwerden, Medikamente, Körpertherapie-Erfahrungen
erstellt, und auch Anliegen und Wünsche des Watsu-Neulings werden berücksichtigt. «Es
ist wichtig, dass in einem Vorgespräch bereits ein guter Kontakt mit dem
Therapeuten hergestellt werden
kann. Denn dieser muss spüren, wo der zu Therapierende steht», sagt Paul Müller. Der Sitzungsverlauf
wird nach einem eigens entwickelten Formular detailliert protokolliert. Verena Thurner Reporterin Schweizer Illustrierten |
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